Von 2005 bis 2009 beeindruckten Snaga & Pillath mit ihren Flows und Punchlines Rap-Deutschland. Snaga kehrte schon im vergangenen Jahr wieder solo zurück, nun ist auch Pillath allein unterwegs. Sein Comeback- und gleichzeitig Solo-Debüt-Album heißt "Onkel Pillo" und erfüllt die Erwartungen der Fans.

Während Snaga sich auf seinem Album "SFD 2" weg von seinem Image als lustiger Punchline-Rapper entwickelte, bleibt Pillath der vor Jahren eingeschlagenen Linie treu und bietet auf den 18 Anspielstationen von "Onkel Pillo" zumeist das, was er schon zu Zeiten von Snaga & Pillath am besten konnte: kreative Punchlines und lustige Vergleiche in unglaublich hoher Schlagzahl abliefern. Schon der Album-Titel deutet an, dass es auf dem Werk nicht ganz ernst zur Sache gehen wird. Track-Namen wie "Der macht datt gut", "Prinz des Potts" und "Wenn der Schnee schmilzt siehst du wo die Kacke liegt" - ein Zitat vom ehemaligen Schalke-04-Manager Rudi Assauer - bestärken in dieser Annahme.

Tatsächlich sind die ersten Worte von Pillath im "Intro" - über einen geradezu dramatischen Beat von Juh-Dee - verheißungsvoll für Fans der Snaga-&-Pillath-Alben. "Guck auf die Uhr, es ist Punchline-Time", rappt Pillath dort, um im gleichen Track ordentlich nachzulegen: "Dein Sohn besucht mich einmal jährlich - Vatertag." Damit ist auch klar: Pillath bespielt in seinen Raps genau die Themen, die andere auch in ihren Punchlines heranziehen, aber der Ruhrpottler macht es eben doch besser und kreativer als seine Kollegen. Dass dabei dann ab und zu auch mal Ausreißer nach unten dabei sind ("Wie ihr malocht würd ich gern mal Urlaub machen" - auch im Intro) verzeiht man gern, dafür hört man Pillath mit seiner Kodderschnauze einfach zu gern zu.

Dass das Album nicht langweilig wird, liegt vor allem an den sehr unterschiedlichen Beats von Produzenten wie dem erwähnten Juh-Dee, Jushimixu, Gorex, Abaz und Monroe. Zweifellos ein Highlight ist "P.S. SP", weil der Track die Reunion von Snaga & Pillath darstellt. Gemeinsam machen die beiden dort weiter, wo sie 2009 mit ihrem Album "II" aufgehört haben: Punchlines, Punchlines, Punchlines. Und das über ein Brett von einem Beat von Gorex! Wow, allein dieser Track ist den Albumkauf wert.

Damit aber nicht genug. Um seinem Longplayer neben den zwar unterhaltsamen aber meist kurzlebigen Battle-Tracks weitere Facetten zu verleihen, hat Pillath auch einige deepe Songs aufgenommen, die nur beim ersten Durchhören wie ein Fremdkörper wirken. Schon beim zweiten Mal fügen sie sich stimmig in die Battle-Tracks ein und sind eine gute Abwechslung. Schön zu hören ist, dass Pillath mit "Kranke Welt" einen Track aufgenommen hat, auf dem er die vielen Missstände in der Welt anspricht, dabei aber nicht in Verschwörungstheorien abdriftet, wie es Fard, der in der Hook ebenfalls zu hören ist, und Snaga auf ihren Alben gerne tun. Und einige von Pillos Zeilen sind dazu auch noch brandaktuell und absolut hörenswert. Zum Beispiel: "1945 schrie ein Land: Mit uns nie wieder! // Plötzlich gibt's die AFD, besorgte Bürger und Pegida."

Ein wirkliches Highlight der deepen Tracks, und neben "P.S. SP" ein absoluter Höhepunkt auf dem gesamten Album, ist "Mein letzter Song", auf dem Pillath noch einmal die Dinge sagt, die er ansprechen wollte, wenn er anschließend sterben würde. Dabei wendet er sich an seine Familie, seine Eltern, er spricht über seine Musik und seine Weggefährten. Und in der Hook heißt es so treffend: "Wäre das mein Abschied, wär das mein letzter Song // Und die Erinnerung an all die Worte gleiten davon // Was würde dann vergessen werden, was wäre es das bliebe? // Es wäre Freundschaft, Musik und Familie."

Dem ist nichts hinzuzufügen und so ist "Mein letzter Song" der würdige Abschluss eines hörens- und kaufenswerten Feel-Good-Albums.

Von Stephan Voigt

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