1998 schlug das deutschsprachige Debütalbum eines gewissen Xavier Naidoo ein wie eine Bombe und verkaufte sich mehr als eine Million mal. Heute, 18 turbulente Jahre später, erscheint endlich die Fortsetzung: "Nicht von dieser Welt 2". Die Erwartungen sind gigantisch, aber werden sie auch erfüllt?

1998 war es Produzent und Rapper Moses Pelham, der aus Xavier Naidoo quasi über Nacht einen Star und deutschen R&B salonfähig machte. Gemeinsam verkauften die beiden viele CDs, sorgten mit Naidoos religiösen Texten ebenso für Gesprächsstoff, wie später mit dem öffentlichen Zerwürfnis und einem lange dauernden gerichtlichen Prozess. Jahrelang herrschte Funkstille, auf ihren CDs verarbeiteten sowohl Pelham als auch Naidoo den Streit immer wieder musikalisch, schließlich fanden sie vor einigen Jahren wieder zusammen, machten gemeinsam erneut Musik - erst einzelne Songs, nun das Album "Nicht von dieser Welt 2". Entsprechend gigantisch waren die Erwartungen an diese Fortsetzung des gemeinsamen Schaffens nach 18 Jahren.

Leider enttäuscht "Nicht von dieser Welt 2", wenn man bedenkt, dass hier einer der besten Musikproduzenten und einer der erfolgreichsten Sänger des Landes zusammenarbeiten. Das Intro der CD, "Nicht von dieser Welt - Die Rückkehr", vermittelt zwar mit den ersten Takten bereits das typische Feeling einer Pelham-und-Haas-Produktion, die gemeinsam mit dem Gesang von Xavier Naidoo auch an 1998 erinnert, aber was dann folgt, ist leider zuviel austauschbare Pop-Musik. Bestes Beispiel dafür ist die erste Single-Auskopplung "Frei", die langweilig dahinplätschert und überhaupt nicht zu packen versteht. Ein wenig besser, aber ebenfalls nicht wirklich gut, sind "In meinen Armen" und "Der Fels".

Inhaltlich hat sich Naidoo aber seit 1998 weiterentwickelt und besingt nun nicht mehr in der Penetranz seinen Glauben. Und das sind dann auch die stärkeren Momente des aktuellen Albums, wenn er beispielweise immer wieder seine wiedergefundene Freundschaft zu Moses Pelham thematisiert, wie auf dem durchaus hörenswerten "Renaissance der Liebe" oder dem wegen des verwendeten Live-Publikumsgesangs sehr starken "Dem Himmel noch näher".

Absolutes Highlight - und allein fast schon den CD-Kauf wert - ist aber "Kopf", auf dem Moses Pelham mal wieder seine überragende Fähigkeit beweist, aus einem guten Song mit einem zusätzlichen Rap eine echte Perle zu machen. Bei "Das Prinzip" gelingt ihm das zwar nicht in diesem Maße, aber dafür hat die CD zumindest für diejenigen noch ein großes weiteres Highlight zu bieten, die das Album samt Bonustracks gekauft haben. Bei den vier zusätzlichen Songs sind nämlich gleich mehrere dabei, die zu den besseren des gesamten Longplayers gehören, wie das gut bouncende "Mit dir", das dramatische "Kein Land" und - ganz besonders - "Noch immer mehr als Gold wert". Der Track ist nach "Kopf" das absolute Highlight auf "Nicht von dieser Welt 2", weiß mit den ersten treibenden Takten schon zu packen und auch textlich ganz besonders zu überzeugen.

So ist "Nicht von dieser Welt 2" ein Album, das zu wenig Highlights zu bieten hat, seine stellenweise aufblitzende hohe Klasse aber dennoch offenbart. Wer der Scheibe Zeit gibt und sie öfter hört, wird auch weitere gute Songs entdecken, aber - anders als beim ersten "Nicht von dieser Welt"-Album - in 18 Jahren wird niemand mehr dieses nun aktuelle Naidoo-Werk hören wollen.

Von Stephan Voigt

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