Marvel bringt nun das dritte Solo-Abenteuer von Captain America in die Kinos. Aber ist das wirklich ein Captain-America- oder eher ein Avengers-Film? Diese Frage darf gestellt werden, da nahezu alle Superhelden aus dem Marvel Cinematic Universe in "Civil War", wie der Film heißt, zu sehen sind.

Marvel eskaliert seine Filmreihe immer weiter: War 2012 das Zusammentreffen von Iron Man, Captain America, Black Widdow, Hulk und Thor im ersten Avengers-Film noch ein absolutes Highlight, ist die Heldendichte nun sogar in einem Captain-America-Solofilm ungleich höher. Hulk und Thor tauchen zwar nicht auf, dafür aber viele weitere Comic-Charaktere - darunter auch welche, die bislang noch gar nicht im Cinematic Universe von Marvel aufgetaucht sind: Black Panther zum Beispiel, der 2018 einen Solo-Auftritt erhalten wird. Ein Highlight ist dabei ein alter-neuer Superheld: Spiderman. Nachdem die Reihe schon zweimal neu gestartet wurde, wird es bald einen dritten Versuch geben - dieses Mal mit Tom Holland ("Im Herzen der See") in der Titelrolle. Und der darf schon in "The First Avenger: Civil War", wie der Film in den deutschen Kinos heißt, das Kostüm des Spinnenmanns überstreifen. Dabei sorgt er für einige Lacher und damit sogar dafür, dass der Kinobesucher etwas weniger genervt von einem dritten Neustart der Spiderman-Reihe ist und vielleicht sogar soetwas wie Vorfreude empfindet.

Im Vordergrund des Filmes steht aber Captain America. Trotz zahlreicher Helden liegt der Fokus des Filmes auf Chris Evens - vielleicht neben Robert Downey Jr als Iron Man. In dem Superhelden-Aufgalopp gibt es nämlich - und das ist das Spannende - kein klares Gut und Böse mehr. Der Hauptkonflikt wird zwischen Gut und Gut ausgetragen. Nachdem in den bisherigen Avengers-Filmen so viele Menschen gestorben sind, planen die Vereinten Nationen nämlich, die Superhelden nicht mehr unkontrolliert gegen das Böse kämpfen zu lassen. Die Avengers sollen nur noch mit UN-Mandat in die Schlacht ziehen. Während Captain America fürchtet, damit zum Spielball der Politik zu werden, ist Iron Man für die neue Regelung, weil die Helden bislang ohne jegliche öffentliche Legitimation handelten. Während ein Teil der Avengers zu Captain America hält, schließt sich ein anderer Teil Iron Man an. Was mit einer Diskussion beginnt, endet - auch durch eine Intrige des bösen Baron Helmut Zemo (Daniel Brühl: "Good Bye, Lenin!", "Colonia Dignidad") - in einem furios inszenierten Kampf der Avengers gegeneinander.

Dass der Film besonders zu Beginn recht viele Handlungsstränge hat - die Anknüpfung an "Avengers: Age of Ultron" (Rezension: Superfilm rund um die Superhelden?) muss gezeigt, die neuen Helden müssen eingeführt und die eigentliche Handlung von "Civil War" muss vorangetrieben werden - ist klar. Den Regisseuren Anthony und Joe Russo, die auch schon den vorherigen Captain-America-Film "The Return of the first Avenger" (Rezension: Konkurrenz für Iron Man) inszenierten, ist es aber zu verdanken, dass der Streifen nicht wie ein verfranster Flickenteppich wirkt. Den beiden gelingt es gut, recht bald auf den Konflikt der zwei Avengers-Lager zu kommen und beide Seiten mit ihren Argumenten darzustellen. Der Kinobesucher kann sich dabei seine eigene Meinung bilden und wird sich zwangsläufig für eine der beiden Seiten entscheiden. Dafür hat das 147-Minuten-Werk einige ruhigere Momente, dennoch wissen Anthony und Joe Russo natürlich, was die Kinobesucher sehen wollen: Action! Und die ist atemberaubend-spektakulär inszeniert, ohne dabei auf einen gewissen Humor zu verzichten.

Und so ist "The First Avenger: Civil War" ein großartiger weiterer Teil im Marvel Cinematic Universe und spektakuläres Action-Kino. Fast am wichtigsten: Wer diesen weiteren Captain-America-Film gesehen hat, möchte unbedingt wissen, wie es mit den Superhelden weitergeht. Marvel wird also weiterhin viel, viel Geld mit seinen Comic-Helden verdienen und die Fans bekommen weiterhin das, was sie wollen: noch mehr Comic-Verfilmungen.

Von Stephan Voigt

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