Nun aber schnell: Comic-Verlag DC will mit seinem eigenen Kino-Filmuniversum binnen kürzester Zeit das aufholen, was Konkurrent Marvel so erfolgreich über Jahre vorgemacht hat. Diesen Eindruck bekommt man leider, wenn man sich "Suicide Squad" ansieht. Dennoch ist der Film kein kompletter Reinfall.

Dabei hätte die "Suicide Squad" soviel Potenzial. Es geht um eine Gruppe von Superschurken, die sich im Auftrag der Regierung zusammenschließen, um gegen eine außerirdische Bedrohung anzutreten. In dem Grüppchen dabei sind schillernde Comic-Gestalten, wie die psychopathische Freundin des Jokers, Harley Quinn (Margot Robbie: "The Wolf of Wall Street"), und ein Auftragskiller, der bislang nie daneben geschossen hat: Deadshot (Will Smith: "I am Legend", "Men in Black"). Auch der Joker, Batmans wohl bekanntester Gegenspieler, sollte erneut einen Leinwandauftritt haben, nachdem ihn Heath Ledger in "The Dark Knight" so phänomenal und wohl unübertreffbar verkörpert hatte.

"Verrückte Charaktere, ein poppig-bunter Trailer, dazu ein mitreißender Soundtrack - da wird großes Kino gemacht", hätte man vor Filmstart denken können und müssen. Entsprechend hoch waren auch die Erwartungen, zumal mit Oscar-Preisträger Jared Leto ("Dallas Buyers Club") ein Joker-Darsteller gewonnen wurde, der die Klasse besitzt, Heath Ledger zumindest eine ebenbürtige Leistung zu liefern.

Tatsächlich ist Leto eines von wenigen Highlights des Films. Sein Joker ist so ganz anders als der von Heath Ledger. Der neue Joker ist eine Mischung aus dem bekannten Comic-Antagonisten von Batman, einem skrupellosen Mafia-Boss und einem manipulativen Soziopathen. Leto spielt den Joker dabei absolut Angst einflößend und mitreißend. Dass er dabei nicht so beeindruckend wirkt wie Heath Ledger, liegt weder an Jared Letos Leistung, noch an der neuen Ausrichtung der Joker-Figur, sondern schlicht daran, dass der Gesamtfilm längst nicht an die Klasse von "The Dark Knight" heranreicht.

Ein ähnliches Problem hat Margot Robbie mit ihrer Harley Quinn, die neben dem Joker die weitaus interessanteste Figur in "Suicide Squad" ist. Robbie spielt die verrückte ehemalige Psychologin fantastisch, hat einige lustige und herausragende Szenen, aber vermag in einem Film, der wie Flickwerk wirkt, nicht so mitzureißen, wie sie es eigentlich könnte.  Denn gerade die Beziehung zwischen Joker und Harley Quinn - eine Mischung aus (sexueller?) Hörigkeit, Machtstreben und Liebe - wäre es wert, genauer beleuchtet und ergründet zu werden.

Stattdessen reiht Regisseur David Ayer ("Street Kings", "End of Watch") nur eine Action-Szene an die nächste. Zwischen diese Team-Auftritten wurden Szenen geschnitten, die jeweils einen der Charaktere in den Vordergrund stellen - meistens Will Smiths Deadshot, Margot Robbies Harley Quinn oder eben Jared Letos Joker. Die Action ist gut, einzelne Szenen auch lustig, aber ein stimmiges Ganzes ergibt das nicht, zumal die dünne Handlung - die außerirdische Hexe Enchantress (Cara Delevingne: "Pan", "Anna Karenina") will die Menschheit auslöschen und baut dafür eine gigantische Waffe, die die Suicide Squad, zusammengestellt von Amanda Waller (Viola Davis: "The Help", "Glaubensfrage"), zerstören muss - nicht vermag, über die Schwächen hinwegzutäuschen.

Bedauerlich sind diese Schwächen umso mehr, da sie vermeidbar gewesen wären. Jared Leto hatte nämlich bereits verkündet, dass sein recht kurzer Joker-Auftritt eigentlich hätte größer ausfallen können. Es seien genug Szenen für einen ganzen Solo-Film gedreht worden. Viele sind dabei wohl dem Schnitt zum Opfer gefallen, um eine geringere Altersfreigabe zu erhalten. Mit dabei waren wohl auch zahlreiche Szenen, die die Beziehung von Joker und Harley Quinn genauer erklärten und teilweise sogar in einem ganz anderen (brutaleren) Licht zeigen, als es in der finalen Filmversion der Fall ist.

Und so ist "Suicide Squad" ein Film, der kurzweilige Action bietet, einige interessante Charaktere ins DC Extended Universe einführt, aber längst nicht so mitreißend ist, wie er hätte sein können. Schade, hier wurde viel Potenzial verschenkt.

Von Stephan Voigt

Kommentare   

+1 # Maik 2016-08-21 19:05
Der Film war wirklich nur okay, cool fand ich aber, dass Batman und The Flash zu sehen waren. 8)
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