"Hey, hier kommen die Hero Turtles, superstarke Hero Turtles..." Diesen Song zu Beginn der Zeichentrickserie "Teenage Mutant Hero Turtles" kennen wohl viele heute Erwachsene noch aus Kindheitstagen. Diese Nostalgie zu nutzen, aus den Turtles eine Realverfilmung zu machen und damit viel Geld zu verdienen liegt nahe. Finanziell ging der Plan 2014 auf, aber auch qualitativ?

Viele Faktoren sprechen dabei für die "Teenage Mutant Ninja Turtles": So hat Michael Bay, hier als Produzent an Bord, bereits als Regisseur des Transformers-Franchises bewiesen, dass er Zeichentrickserien erfolgreich, spannend, mitreißend und mit einer gewissen Selbstironie für die Kinoleinwand adaptieren kann. Außerdem steht ihm erneut - wie schon bei den ersten zwei Transformers-Teilen - Megan Fox als schöne Hauptdarstellerin inmitten der ansonsten weitgehend am Computer generierten Figuren zur Verfügung. Und Action, ja, wenn Michael Bay etwas kann, dann Action.

Also ist alles gut, im neuen Turtles-Kinouniversum? Leider nein! Der Film hat zwar einige gute Momente - besonders, als die vier Turtles im Fahrstuhl stehen, in einem Wolkenkratzer hochfahren zum finalen Kampf und aus Langeweile zu beatboxen beginnen - und ist auch so düster in Szene gesetzt, wie es sich für Helden gehört, die in der Kanalisation leben und nur in der Nacht auf Verbrecherjagd gehen. Außerdem wirft Hauptdarstellerin Megan Fox, seit ihrem ersten Auftritt bei den Transformers ein absolutes Sexsymbol, alles in die Waagschale, was sie zu bieten hat: ihr Aussehen.

Kindheitserinnerungen, eine schöne Hauptdarstellerin und Action allein reichen aber nicht, um einen guten Film zu ergeben - nichtmal, wenn es sich dabei um bloßes Popcorn-Kino handelt. Regisseur Jonathan Liebesman ("Zorn der Titanen") hat nämlich zu routiniert und wenig inspiriert die bekannte Turtles-Geschichte verfilmt: Die vier Schildkröten und eine Ratte mutieren, werden groß wie Menschen und dann lernen die vier nach Renaissance-Malern benannten Schildkröten von der vaterähnlichen Figur, der Ratte Splinter, Ninja-Kampftechniken. So ziehen sie gegen den bösen Food-Clan vom noch böseren Shredder in den Kampf, der New York unter seine Kontrolle bringen möchte. Dabei bekommen sie von der jungen Fernsehjournalistin April O'Neal (Megan Fox) Unterstützung.

All das ist bekannt, all das ist nicht sonderlich aufregend und Megan Fox fehlt eindeutig ein ebenbürtiger menschlicher Spielpartner, den sie bei den "Transformers" in Shia LeBeouf hatte. So agiert sie stets im luftleeren Raum, die Interaktion mit den Turtles ist auf ein Minimum - meistens Staunen über deren bloße Existenz - beschränkt. Und die Turtles selbst, die durch ihre überdrehte Art an Teenager erinnern sollen, nerven sehr bald genau dadurch.

Dennoch war "Teenage Mutant Ninja Turtles" ein finanzieller Erfolg. Bei einem Budget von 125 Millionen Dollar spielte er eine halbe Milliarde wieder ein. In diesem Jahr erschien die Fortsetzung "Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows" in den Kinos, war aber weit weniger erfolgreich. Gut zu wissen, dass Hollywood sich nicht mehr alles erlauben kann und jede Kino-Adaption einer 90er-TV-Serie samt vielen Sequels zur Cash Cow wird.

Von Stephan Voigt

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