Vier Milliarden Dollar hat Disney vor einigen Jahren George Lucas für sein Unternehmen Lucasfilm überwiesen. Bei der gewaltigen Summer müssen die Rechte unter anderen für die Star-Wars-Saga zu Geld gemacht werden - zu sehr, sehr viel Geld. Ob unter dieser Prämisse aber auch gute Filme entstehen? "Rogue One" ist dabei eine Art Versuchsballon.

Nachdem Lucasfilm von Disney übernommen wurde, wurde bald klar, dass weitere Star-WEars-Filme erscheinen werden. Im vergangenen Jahr kam mit "Star Wars Episode 7: Das Erwachen der Macht" (Meine Kritik zum Film: Star Wars erwacht und hat Schwächen) der Auftakt zu einer dritten Trilogie in die Kinos, die nun im Zwei-Jahres-Rythmus fortgesetzt wird. In den Jahren dazwischen sollen Filme erscheinen, die nicht zu den jeweiligen Trilogien gehören, sondern sich speziell auf bestimmte Charaktere fokussieren. Den Auftakt macht nun "Rogue One: A Star Wars Story" mit einer ganz tollen Idee.

Der Film spielt nämlich zwischen den ersten beiden Trilogien und befasst sich mit einer kleinen Rebellengruppe und damit, wie diese die Baupläne für den Todesstern an sich reißt, der schließlich - und das ist Filmgeschichte - in Episode 4 von Luke Skywalker zerstört wird. Dass dabei mal wieder - typisch Star Wars - eine Vater-Kind-Beziehung eine nicht unerhebliche Rolle spielt, langweilt mittlerweile und hat längst die Faszination verloren, die dieses Thema während der Episoden vier bis sechs noch hatte. Gipfel des wohl bekanntesten Vater-Sohn-Konfliktes der Filmgeschichte ist dort das Zitat: "Luke, ich bin dein Vater." Das kennen wohl selbst Menschen, die nichts für Star Wars übrig haben. In Rogue One bekommen wir eine Vater-Tochter-Beziehung zu sehen, die eigentlich überflüssig ist. Aber: geschenkt! Das ist eigentlich der einzige Schwachpunkt von "Rogue One".

Regisseur Gareth Edwards ("Godzilla") gelingt nämlich das, was J.J. Abrams vor einem Jahr bei Episode 7 "Das Erwachen der Macht" nicht geglückt ist: Er löst sich weit genug von den bisherigen Star-Wars-Filmen und schafft etwas Eigenes. Und diese Leistung kann man wohl gar nicht hoch genug einschätzen, wenn man bedenkt, wie groß die Star-Wars-Saga ist, welch grandiose Kassenschlager sie beinhaltet und wie genau jeder Schnippsel, der dieser eigenen Welt hinzugefügt wird, von Fans unter die Lupe genommen wird. Mit anderen Worten: Der Druck muss enorm sein! Edwards aber gelingt das Kunststück, den Ton der alten Star-Wars-Filme sehr gut zu treffen, indem er bekannte Szenerien erneut aufgreift und immer wieder Momente schafft, in denen sich Fans an die Episoden vier bis sechs erinnert fühlen, gleichzeitig aber dem Film eine für Star Wars ungewöhnliche Struktur zu verleihen. Das muss er auch, schließlich ist "Rogue One" der erste Film aus dieser Welt, der nicht Teil einer Trilogie ist, seine Geschichte also binnen 134 Minuten erzählt haben muss.

Zentrum des Filmes ist die junge Jyn Erso (Felicity Jones: "Die Entdeckung der Unendlichkeit", "Inferno"), deren Vater als Konstrukteur einer mächtigen Waffe für das Imperium gilt - dem Todesstern. Ihr Vater (Mads Mikkelsen: "James Bond: Casino Royale", "Doctor Strange") schickt ihr aber irgendwann eine Nachricht, dass er gezwungen wurde am Todesstern weiterzuarbeiten und dass er einen wunden Punkt in die Waffe gebaut hat, an dem diese komplett zerstört werden kann. Dafür müssen die Rebellen allerdings die Baupläne der Waffe stehlen, die ganze Planeten auslöschen kann.

Fans der Saga wissen also schon, wie der Film ausgeht: Die Rebellen schaffen es natürlich, die Baupläne zu stehlen. Wie nahtlos aber der Übergang von "Rogue One" zu Episode 4, "Eine neue Hoffnung", gelingt, ist geradezu meisterlich. Ansonsten gilt, dass der Weg das Ziel ist. Denn bis die Baupläne gefunden und in Besitz gebracht sind, passiert viel und Jyn Erso lernt viele Charaktere kennen, die bis in die Nebenrollen glänzend besetzt sind (unter anderem mit Oscar-Preisträger Forest Whitaker). Highlight für viele Fans dürften aber - ganz zu recht - zwei kurze Auftritte vom wohl fiesesten Anthagonisten der Filmgeschichte sein: Darth Vader.

So ist Gareth Edwards ein spannender, fesselnder Film gelungen, der sich gut in die bisherige Star-Wars-Saga einreiht, gleichzeitig aber eine gewisse eigene Note hat und somit nicht nur ein Produkt ist, um den Fans weiteres Geld aus der Tasche zu ziehen. Im Gegenteil: An "Rogue One" müssen sich alle weiteren Star-Wars-Filme messen - die Ansprüche liegen nun hoch.

Von Stephan Voigt

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