Eine deutsche Komödie? Eine deutsche Komödie über prollige und dumme Schüler sowie überforderte Lehrer? Eine deutsche Komödie mit dem dämlichen Titel "Fack ju Göhte" (ja, alles extra falsch geschrieben)? - Das kann nicht gut gehen, mag man denken. Wer den Film von 2013 sieht, wird überrascht sein: Man kann tatsächlich viel lachen.

Dabei bietet "Fack ju Göhte" natürlich viele Angriffpunkte: Ja, hier wird sich über den teilweise schlimmen Zustand an Schulen lustig gemacht. Ja, der Humor geht sehr oft zu Lasten bildungsferner Schichten, wie es so schon euphemistisch heißt. Und ja, die Gags gehen auch sehr oft unter die Gürtellinie, sind laut, prollig wie die gezeigten Charaktere und soweit vom feinfühlig-intelligenten Humor eines Loriots entfernt, wie der HSV von der deutschen Fußballmeisterschaft. Wer all das beklagt, hat recht. Wer "Fack ju Göhte" deswegen nicht sehen mag oder schnell ausschaltet, dem kann man keinen Vorwurf machen. Wer sich aber auf diesen Humor einlässt, der wird eine wirklich lustige Komödie sehen.

Und tatsächlich folgt hier Lacher auf Lacher - im Minutentakt und ohne während der 118 Minuten Spieldauer Langatmig zu werden. Der Alltag von Lehrern, die Schülern ohne Lust am Lernen gegenübersitzen und keine Handhabe gegen deren Anfeindungen haben, wird in der Komödie des vielfach ausgezeichneten Regisseurs und Drehbuchautors Bora Dagtekin ("Türkisch für Anfänger") auf die Spitze getrieben. Die Lehrer sind entnervt - eine von Uschi Glas gespielte Lehrerin versucht mehrfach Selbstmord zu begehen - und die Schüler hängen in ihrer Perspektivlosigkeit nur dem Traum nach, im besten Fall Drogendealer und als Plan B "Hartzer" - Hartz-IV-Empfänger also - zu werden.

Es herrscht also völliges Chaos an der fiktiven Goethe-Gesamtschule. Und an die verschlägt es den prolligen aber gutaussehenden Ex-Knacki Zeki Müller (Elyas M’Barek: "Türkisch für Anfänger", "Who am I", "Mädchen, Mädchen"), dessen Bekannte (Jana Pallaske: "Inglourious Basterds", "Phantomschmerz") seine Beute aus einem Banküberfall ausgerechnet dort vergraben hat, wo jetzt die Schulturnhalle steht. Um einen Tunnel zu dem Geld graben zu können, bewirbt sich Zeki als Hausmeister an der Schule und wird prompt - ohne je eine Universität besucht oder das Abitur gemacht zu haben - als Aushilfslehrer eingestellt. Bei der Arbeit trifft er auf die idealistische, hoch motivierte und ebenso verklemmte wie hübsche Referendarin Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth: "Mädchen, Mädchen", "SMS für dich"). Während Zeki sich mit seinen ruppigen Erziehungsmethoden ausgerechnet mit der schlimmsten aller Klassen - inklusive der prolligen Schülerin Chantal (Jella Haase: "Kriegerin", "The Team") und dem Halbstarken Daniel "Danger" Becker (Max von der Groeben: "Bibi & Tina", "Doktorspiele") - auseinandersetzen muss, beginnt eine Liebe zwischen ihm und Lisi.

Das klingt nach einer ebenso flachen wie vorhersehbaren Handlung - ist es auch. Aber die vielen Gags und vor allem die guten Schauspieler lassen über dieses Manko hinwegsehen. Besonders die beiden Hauptdarsteller Elyas M'Barek und Karoline Herfurth harmonieren wunderbar miteinander. Man merkt, dass ihnen der Dreh große Freude gemacht hat und dies überträgt sich - auch wegen der temporeichen Inszenierung - schnell auf den Zuschauer. Und der kann zwei Stunden lang den Kopf ausschalten, sich prima unterhalten lassen und sehr, sehr viel lachen. Insofern hat "Fack ju Göhte" zurecht mehr als sieben Millionen Menschen in die deutschen Kinos gelockt und wird nun sogar für internationale Märkte neu aufgelegt - ebenfalls mit großem Erfolg.

 Von Stephan Voigt

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