80 Jahre ist Woody Allen mittlerweile alt und dreht immer noch jedes Jahr einen Film. Sein jetzt erschienenes Werk, "Café Society", widmet sich in grandiosen Bildern dem Hollywood der 1930er-Jahre und zeigt einmal mehr: Die Stars stehen immer noch Schlange, um mit dem Altmeister zu arbeiten.

"Weißt du, warum es in Los Angeles so sauber ist? Aus ihrem Müll machen sie hier Fernsehproduktionen", heißt es in "Der Stadtneurotiker" (1977). Mit seinem neuesten Film macht Woody Allen quasi dort weiter, wo er mit diesem Zitat vor rund 40 Jahren aufhörte: Er macht sich über Hollywood lustig. Angesiedelt ist "Café Society" in den 1930er-Jahren, aber man hat bei sehr vielen Begebenheiten das Gefühl, als könnten sie genauso heute stattfinden. So wird mehrfach gesagt, dass viele junge, hübsche Frauen nach Los Angeles ziehen, um sich den Traum von einem Leben als Filmstar zu erfüllen - und dabei scheitern. Und der Film erzählt auch davon, wie die Mächtigen in Hollywood ihren Status ausnutzen, um an die jungen Frauen heranzukommen. Hollywood als Ort der Glücksuchenden, der Gescheiterten und der egozentrischen, selbstdarstellerischen Reichen.

Nun ist "Café Society" aber kein bitterböser Film - im Gegenteil. Woody Allen schwelgt geradezu in farbenfrohen Bildern, umwerfend schönen Kleidern und zeigt ebenso schöne Frauen. Viele Partys werden gefeiert, das süße Leben in teuren Villen und an großen Pools genossen. Aber hinter dieser Fassade herrschen Lug, Trug und Abgründe. Auch wenn "Café Society" hinter diese Fassade blickt, bleibt der Film immer leichtfüßig, kurzweilig und hier und da auch lustig.

Mit dem quasi mittellosen Bobby (Jesse Eisenberg: "The Social Network", "Batman V Superman") aus New York, der nach Los Angeles zieht, um dort bei seinem erfolgreichen Onkel (Steve Carell: "Date Night - Gangster über Nacht", "Dinner für Spinner") zu arbeiten, rückt Woody Allen eine Figur ins Zentrum seines Filmes, die ebenfalls von Außen und mit viel Skepsis auf das Treiben in Hollywood schaut. Aber zunächst wird Bobby durch seinen Onkel tatsächlich Teil der feinen Gesellschaft, bleibt aber auf Distanz. Schließlich kommen - typisch Woody Allen - noch allerlei Irrungen und Wirrungen in der Liebe auf Bobby zu. Denn er verliebt sich in die Sekretärin seines Onkels, Vonny (Kristen Stewart: "Twilight", "Die Wolken von Sils Maria"), nicht ahnend, dass diese die Geliebte seines Onkels ist.

Mit Jesse Eisenberg hat Allen quasi die Idealbesetzung für den jungen Mann mit naiv-treuem Gesichtsausdruck gefunden und Kristen Stewart hat schon im Twilight-Franchise bewiesen, dass sie vor allem eines perfekt kann: leidend knapp an der Kamera vorbeischauen. Das macht sie in "Café Society" erneut wunderbar, dabei trägt sie perfekt in die Zeit passende Kleider und fährt tolle Autos. Wer wollte Bobby da verdenken, dass er sich Hals über Kopf verliebt? Und wer will es ihm verdenken, als gleiches nach seiner Rückkehr nach New York erneut geschieht, als er die schöne Veronica (Blake Lively: "The Town", "Savages") in einem Traum von einem Abendkleid sieht?

Insofern macht sich Woody Allen in "Café Society" zwar über Hollywoods feine Gesellschaft lustig, zelebriert aber gleichzeitig auch das, was der Welt von der Traumfabrik vor allem gezeigt wird: schöne Menschen, teure Autos, schicke Kleider. Diesen Drahtseilakt bekommt der Regisseur und Autor aber mit Leichtigkeit hin und hat somit einen Film geschaffen, der vielleicht nicht zu seinen Meisterwerken gehört, aber dennoch absolut sehenswert ist.

Von Stephan Voigt

 

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