Aids und Homophobie sind nicht gerade Themen für eine Komödie - das ist "Dallas Buyers Club" auch nicht. Dennoch hat der Film komische Momente - das große Plus des Streifens, neben zwei grandiosen und zurecht mit dem Oscar prämierten Darstellern.

In der Stärke, dass "Dallas Buyers Club" auch komische Momente hat, liegt aber auch das größte Manko des Filmes. Er scheint selbst nicht genau zu wissen, was er sein möchte. Eine Komödie ist es definitiv nicht, ein Drama auf jeden Fall. Dafür gelingt es Regisseur Jean-Marc Vallée ("Der große Trip - Wild") aber zu selten, dass das zweifelsfrei schwere Schicksal nahezu aller auftretenden Charaktere dem Zuschauer wirklich nahe geht. Und das ist beim Thema HIV und Aids definitiv schade und eine vertane Chance.

Dass "Dallas Buyers Club" dennoch ein sehenswerter Film ist, liegt auch daran, dass er ein realistisches Schlaglicht auf die Situation von Aids-Kranken Mitte der 1980er wirft. In der Zeit stand noch das Vorurteil im Raum, lediglich Homosexuelle könnten sich mit dem tödlichen HI-Virus infizieren, wirksame Medikamente waren wenig bekannt oder - und genau das ist ein großes Thema des Filmes - nicht für den Vertrieb zugelassen. Dass mit dem homophoben Ron Woodroof (Matthew McConaughey: "Interstellar", "The Wolf of Wall Street", "Magic Mike" und TV-Serie "True Detective") ausgerechnet ein Heterosexueller erkrankt, passt, denn auf diese Weise kann Regisseur Vallée anhand seiner Hauptfigur zeigen, dass eben nicht nur Homosexuelle betroffen sind und was es für einen Mann in einer von Homophobie geprägten Gesellschaft bedeutet, an einer angeblichen "Schwulenkrankheit" zu leiden. Zum einen wird Ron Woodroof von seinen Freunden und Kollegen nach der Diagnose gemieden und als Homosexuell beschimpft, zum anderen kann er sich mit seiner Situation anfangs auch nicht rational auseinandersetzen, weil ihm schlicht das Vertrauen in die Ärzte fehlt. Nicht umsonst behauptet er, seine Blutprobe müsse mit der irgendeines "Analritters" vertauscht worden sein.

Der Rodeo-Reiter Woodroof ist auf keinen Fall ein Sympathieträger mit seinen herabwürdigen Äußerungen Homosexuellen gegenüber. Aber Matthew McConaughey spielt diesen Mann, der seine Krankheit irgendwann akzeptiert, gegen sie kämpft und schließlich sich und vielen anderen Infizierten einen Weg zu in den USA nicht zugelassenen, dafür aber wirksamen Medikamenten ebnet, fantastisch. Einzelne Blicke reichen, um seinen Schmerz, sein Nicht-Akzeptieren-Wollen und auch den Ekel gegenüber Homosexuellen auszudrücken. Dass sein Geschäftspartner im weiteren Verlauf ausgerechnet der transsexuelle Rayon (ebenso fantastisch: Jared Leto: 2016 als Joker in "Suicide Squad" zu sehen) wird, ist Ironie des Schicksals für Ron Woodroof und zeigt auch die Wandlung vom unsympatischen Hasser Andersartiger, zum Kämpfer für das Recht der HIV-Infizierten für eine wirklich wirksame Medikamentenbehandlung.

Das Cast wird von vielen weiteren bekannten Darstellern, allen voran Jennifer Garner (TV-Serie "Alias - Die Agentin"), komplettiert, McConaughey und Leto sind aber zentrale Säulen des Films und zwei weitere gute Gründe, sich "Dallas Buyers Club" anzusehen. Nicht umsonst haben sie jeweils einen Oscar für ihre Leistungen in dem Film erhalten - McConaughey als bester Haupt- und Leto als bester Nebendarsteller.

Und so ist "Dallas Buyers Club" ein Film mit vielen Stärken, aber auch kleinen Schwächen. Sehenswert ja, herausragend nein. Wichtig und unterhaltsam ja, fesselnd und ergreifend zu selten. Und genau das ist schade, kann aber nicht von der Empfehlung abbringen: Wer die Chance hat, "Dallas Buyers Club" zu sehen, sollte das tun.

Von Stephan Voigt

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