"So ist Paris" heißt ein episodenhaft erzählter Film, den Regisseur Cédric Klapisch 2008 veröffentlichte. Und der Film ist nicht nur für Paris-Fans sehenswert, denn Klapisch begeht einen großen Fehler zum Glück nicht.

Zu verlockend mag es sein, möglichst viele schöne Bilder der Seine-Metropole aneinanderzureihen, dazu - vermeintlich typisch Frankreich - von der Liebe zu erzählen und damit einen leichten Film mit relativ vorhersagbarem Erfolg an den Kinokassen zu landen. Natürlich zeigt Klapisch in "So ist Paris" den Eiffelturm, natürlich hat Sacre Coeur einen Auftritt und auch Notre Dame ist zu sehen. Der Regisseur führt aber nicht die Stadt in all ihrer Schönheit vor, sondern erzählt verschiedene Geschichten über die Menschen, die in ihr wohnen. Und die haben alle ihre kleinen und großen Probleme und präsentieren so einen Querschnitt durch persönliche, politische und gesellschaftliche Themen.

Da wären Pierre (Romain Duris), der erfährt, dass er einen Herzfehler hat und ein Spenderorgan braucht, und seine Schwester Elise (Juliette Binoche), die aufgrund der Diagnose mit ihren drei Kindern zu ihrem Bruder zieht, um ihm beizustehen. Dann ist da Roland Verneuil (Fabrice Luchini), ein Universitätsprofessor, der sich in eine seiner Studentinnen (Mélanie Laurant) verliebt. Ebenso tritt auch ein afrikanischer Flüchtling (Zinedine Soualem) auf, dessen Ziel es ist, nach Paris zu kommen. Und dann wären da noch viele weitere kleine Menschen, denen der Zuschauer während der 130 Minuten Spieldauer folgt und sie in Stück weit in ihrem alltäglichen Leben mit Höhen und Tiefen begleitet.

Die einzelnen Geschichten sind dabei meist nicht miteinander verbunden. Geschickt versteht es Regisseur Klapisch aber, sie erzählerisch miteinander zu verweben, indem sich die Protagonisten beispielsweise zufällig auf der Straße begegnen ohne Notiz voneinander zu nehmen. "So ist Paris" ist wegen dieser doch außergewöhnlichen Erzählstruktur sehenswert, ebenso aber auch, weil der Zuschauer natürlich durch die Figuren doch etwas über die Seine-Metropole lernt. Stetig steigende Mieten und Historisches werden ebenso angesprochen, wie der Zuzug von Flüchtlingen, denen Europa als Schlaraffenland beschrieben wird. Und so spielt eine der stärksten Szenen gar nicht in Paris, sondern an der Nordafrikanischen Küste. Der Flüchtling fragt den Schlepper, ob sich die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer denn lohne. "Ja", sagt der Schlepper. Als der Flüchtling dann eine junge Französin in Paris anruft, die er in deren Urlaub kennengelernt hat, wünscht diese ihm naiv eine gute Reise, nicht wissend, dass ihre Bekanntschaft keine Pauschalreise macht, sondern sich in Lebensgefahr begibt, um nach Paris zu kommen.

Die Schauspieler agieren zurückhaltend, selbst eine Juliette Binoche spielt sich nicht in den Vordergrund. Und das ist gut so. Denn damit ist "So ist Paris" das, was ein solcher Episodenfilm sein sollte - eine geschlossene und gute Ensemble-Leistung, in der alle Darsteller ihre großen Momente haben. 

Und das Ende? Das gibt es eigentlich nicht, denn das Ende von Klapischs Film ist offen und in vielerlei Hinsicht ein Neuanfang. Elise findet doch noch eine neue Liebe - ein wenig L'Amour muss es in einem Frankreich-Film schließlich doch geben - und in der letzten Szene des Filmes fährt Pierre mit dem Taxi zur Herztransplantation ins Krankenhaus, sieht als Schwerkranker die vielen Menschen und sagt, die Menschen in Paris seien immer unzufrieden, dabei müssten sie sich freuen dass sie leben und draußen umhergehen können. Diese Erkenntnis, das Leben mehr wertzuschätzen zu müssen und es bewusster zu gestalten, sollten allerdings nicht nur die Menschen in Paris haben. Dieser Hinweis gilt wohl für uns alle, egal ob in Paris, Hamburg, Moskau, Chicago oder Wanne-Eickel.

Von Stephan Voigt

  

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