Los Angeles, Hollywood - die Stadt, in der Träume gemacht werden. Träume von Schönheit, Ruhm und Geld. Ganz ähnliche Ziele verfolgen auch Sebastian und Mia in "La La Land", einem Musical-Film, der nun für 14 Oscars nominiert wurde. In Worten: Vierzehn!

Diese Zahl muss einmal herausgehoben werden, denn dass ein Film letztmals so viele Nominierungen für den begehrtesten Filmpreis der Welt einsammeln konnte, war 1997. Der Film: "Titanic" von James Cameron. Ergebnis: Die Schnulze ist mittlerweile Filmgeschichte. Dass ähnliches nun auch "La La Land" widerfährt kann man nur hoffen.

Denn der Film von Regisseur Damien Chazelle ("Whiplash") ist ganz großes Kino - und das nicht nur, weil es dem Kino huldigt. Das Musical dreht sich um Mia (Emma Stone: "Birdman", "The Amazing Spiderman"), die seit Jahren den Traum verfolgt, Filmstar zu werden. Sie besucht in Hollywood Casting nach Casting und wird immer wieder abgelehnt. Statt vor der Kamera zu stehen, verkauft sie in einem Café auf dem Studio-Gelände Brötchen und Kaffee für diejenigen, die tatsächlich beim Film arbeiten. Zufällig begegnet sie immer wieder Sebastian (Ryan Gosling: "Blue Valentine", "The Place Beyond The Pines"), einem jungen Mann, der den Traum hat, als Jazz-Musiker Erfolg zu haben und einen eigenen Club zu eröffnen.

Eine der komischsten Szenen des Films ist, als sich beide auf einer Party begegnen und voller Ironie dem jeweils anderen sagen, dass er sein Ziel vom Erfolg längst nicht erreicht hat. Sebastian sagt Mia bissig, er werde sie sicher bald im Kino sehen und Mia konfrontiert den ambitionierten Jazz-Musiker damit, dass er in einer Band in peinlichem Outfit Pop-Songs covert. Eigentlich ist es tragisch, wie beide an ihren hohen Ambitionen scheitern, aber Regisseur Damien Chazelle gewinnt dieser Situation, die viele junge Leute in Los Angeles kennen dürften, eine gewisse Komik ab.

Nicht ganz ohne Ironie ist dabei ebenfalls, dass Emma Stone in den Szenen, in denen sie als Mia während der Castings in unterschiedlichste Rollen schlüpft - und die Caster nicht überzeugt - großartig spielt. Die Kamera ist dabei meist in Großaufnahme auf sie gerichtet und Stone gelingt es glänzend, zwischen dem Schauspiel ihrer Figur, der Enttäuschung danach und der Hoffnung auf einen Job davor binnen Sekunden zu wechseln. Allein diese Szenen rechtfertigen ihre Nominierung als beste Hauptdarstellerin für einen Oscar. Und Ryan Gosling? Der Kanadier trumpfte bislang vor allem in melancholischen Arthouse-Filmen und Rollen groß auf (meine Rezension zu "The Place Beyond The Pines": Familienbande mit viel Schatten und wenig Licht), beweist bei "La La Land", dass er auch vergleichsweise seichtes Feel-Good-Kino glänzend beherrscht. Überhaupt harmonieren Stone und Gosling, die hier bereits zum dritten Mal gemeinsam vor der Kamera standen, großartig miteinander. Immer wieder ist während ihrer gemeinsamen Lieder und Tanzeinlagen zu sehen, dass die Chemie zwischen den beiden stimmt.

Überhaupt: die Musik. Sie wechselt zwischen episch arrangierten Musical-Melodien mit vielen Instrumenten und sehr jazzigen Stücken. Regisseur Chazelle sagte, dass "La La Land" sich an klassischen Hollywood-Filmmusicals orientiere. Tatsächlich wird das immer wieder deutlich, ebenso wie die Tatsache, dass Chazelle sich hier vor dem Kino an sich verneigt. Nicht umsonst hat er viele Stile und Techniken in "La La Land" kombiniert - von einer Szene als Schattenspiel bis hin zur minutenlangen Eingangssequenz, die ohne sichtbaren Schnitt auskommt - ohne dass der Film dadurch überfrachtet oder inkohärent wirkt.

Im Gegenteil ist  "La La Land" die Möglichkeit für den Zuschauer, für zwei Stunden mit großartiger Musik, großartigen Schauspielern und großartigen Kostümen der Realität zu entfliehen und sich in die fantastische Welt von Mia und Sebastian - und damit in die von Regisseur Chazelle - zu flüchten. Und damit, dass Chapelle diese Möglichkeit eröffnet, erweist er dem Kino, dem Film die größte Ehre. Denn genau dafür gibt es doch Kinos: um sich für eine gewisse Zeit von der Realität zurückzuziehen und in fremde Welten zu entfliehen. 

Von Stephan Voigt

 

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