Im stetigen Wettstreit mit Instagram macht Snapchat in den letzten Wochen ernst und bringt zahlreiche neue Updates - und da sind einige echte Volltreffer dabei. Meine Bilanz zur Snap-Map und zu Paperclips...

Wer dachte, Snapchat wäre tot und hätte den Kampf gegen Instagram verloren, nachdem die Foto-Community dreist Snapchats Story-Funktion kopiert hatte, der irrt. Evan Spiegels App mit dem Geist zeigt in den vergangenen Wochen erneut, dass sie sich weiterentwickelt und konkurrenzfähig bleibt.

Snapchats Snap-Map

Bislang war das Konzept von Snapchat deutlich anders, als das von Facebook & Co. Bei Snapchat kommt es eben nicht darauf an, möglichst viele Freunde, Fans oder Follower zu sammeln, um dann viele Likes zu erhalten. Bei Snapchat kann man sich mit anderen Leuten nur verknüpfen, wenn man deren Nickname kennt oder deren Snapcode - eine Art QR-Code - hat. Umso überraschender kam dann die Integration der Snap-Map.

Wer im Kamera-Bildschirm bei Snapchat ist und herauszoomt, der gelangt zur Snap-Map. Dort kann man seinen eigenen Standort für Freunde sichtbar machen und hat ebenso die Möglichkeit zu verfolgen, wo sich die eigenen Freunde gerade aufhalten. Big Brother is watching you - gut, dass man seinen Standort auch verbergen kann. Viel spannender ist aber, dass man auf der Karte auch sehen kann, wo fremde User in den vergangenen 24 Stunden gesnapt haben und sich diese Snaps dann ansehen kann (wenn man einen Snap auf der Karte präsentieren möchte, muss man ihn nicht nur in der eigenen, sondern auch in "Unsere Story" veröffentlichen und hoffen, dass er seitens Snapchat auf der Karte platziert wird). Außerdem findet man die von Snapchat kuratierten Stories, beispielsweise zu Konzerten oder Großereignissen, auf der Karte.

Wie großartig die Snap-Map sein kann, habe ich an diesem Wochenende erfahren. In meiner Stadt, Hamburg, fand der G20-Gipfel statt. Neben diversen Staatschefs kamen auch Randalierer aus aller Welt und lieferten sich zum Teil schockierende Schlachten mit der Polizei. Dank der Snap-Map konnte ich in ganz Hamburg sehen, wie die Lage aktuell ist: Vor meinem Arbeitsplatz war schon am Freitag alles komplett ruhig, weil alle Firmen in der Gegend den Mitarbeitern Home-Office-Tage vorschrieben, im Schanzenviertel konnte ich live dabei sein, als die Polizei sich Demonstranten in den Weg stellte und an den Landungsbrücken sah ich einen riesigen Demonstrationszug - alles via Smartphone und Snapchat. Und: In einer von Snapchat kuratierten Story zum G20-Gipfel waren sogar Einordnungen eines Spiegel-Reporters enthalten - direkterer Nachrichtenkonsum geht kaum.

Dieser tatsächliche, handfeste Nutzen der Snapmap nimmt natürlich in nachrichtenärmeren Zeiten ab, aber auch vor G20 war es einfach interessant, sich fremde Snaps anzusehen. Ich verbringe auf jeden Fall deutlich mehr Zeit mit Snapchat, seitdem es die Karte gibt.

Allerdings gibt es auch noch Verbesserungspotenzial. Wenn ich nämlich auf der Karte Snaps von jemandem entdecke, die mir besonders gefallen, dann kann ich nirgendwo sehen, wie dieser User heißt und wie ich ihm/ihr folgen kann. Hier muss Evan Spiegel noch nachbessern.

Paperclips - Links bei Snapchat

Und noch so eine Sache, bei der Snapchat (bislang) so komplett anders war, als alle anderen sozialen Netzwerke: Es war nicht möglich, Links zu veröffentlichen. Influencer und Firmen sowie Medienhäuser hatten es also schwer, auf ihren Content hinzuweisen. Auch das gehört nun der Geschichte an. Vor wenigen Tagen hat Snapchat mit Paperclips die Möglichkeit geschaffen, Links an Snaps anzuhängen.

Wer einen Snap aufgenommen hat, klickt im Menü einfach auf die kleine Büroklammer, fügt einen Link ein - das war's! In der Story taucht die Büroklammer dann unten am Bildschirm auf. Mit einem Klick darauf öffnet sich die jeweils angehängt Internetseite. Ich habe das ganze gestern bereits ausprobiert und Werbung für meine Kleinanzeigen bei eBay gemacht und muss sagen: Das Handling der Paperclips könnte noch etwas besser sein, aber sie funktionieren. Damit macht Snapchat wieder einen riesigen Sprung nach Vorne, was vielleicht für private Nutzer etwas weniger gilt, als für Firmen und Influencer.

Für mich als Nachrichten-Junky besonders interessant ist nun, ob mehr Medienhäuser den Schritt zu Snapchat wagen, weil es nun die Möglichkeit gibt, nicht nur mit einem sehr jungen Publikum in Kontakt zu kommen, sondern die Follower auch noch auf die eigene Internetseite zu lotsen. Dort kann man dann schließlich über das aktuelle Geschehen ausführlicher informieren, als in maximal 10 Sekunden langen Videos.

Ich bin gespannt, welche Updates Evan Spiegel künftig noch aus dem Hut zaubert, um der Konkurrenz von Instagram nicht das Feld zu überlassen. Dass er aber, wie oben beschrieben, Änderungen auch an den Stellen vornimmt, die Snapchat bislang ausgemacht haben, zeigt, dass Kampfeswille da ist.

Wer bislang glaubte, Snapchat sei tot, hat sich auf jeden Fall geirrt. Snapchat lebt mehr denn je!

Meine Profile in sozialen Netzwerken

Ich bin neben Snapchat (Username: stephanvoigt) in diversen weiteren sozialen Netzwerken zu finden. Die entsprechenden Links findest du hier: Social Networks.

 

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